Sofort mit der Förderung beginnen oder abwarten?

Sofort mit der Förderung beginnen oder abwarten?

Eine LRS wächst sich nicht von alleine aus. Sie kann nur durch gezielte pädagogische Therapie behoben werden. Kinder müssen so früh wie möglich Hilfe erhalten, da sich die Probleme im Lesen und Schreiben zwangsläufig auf die Leistungen in allen Fächern und somit auch auf das Selbstwertgefühl und Verhalten des Kindes auswirken. Zu langes Abwarten gefährdet die schulische Laufbahn und die Zukunft des jungen Menschen.

Sprechen besorgte Eltern mit Lehrern oder anderen Fachleuten, dann erhalten sie immer wieder den Ratschlag: „Warten Sie mal ab, das wird schon noch“, „Die anderen sind auch nicht besser“ oder „Sie müssen mehr üben“. Eine andere beliebte Version der Beruhigung lautet: „So eine Recht­schreib­schwäche wächst sich mit zunehmendem Alter aus.“ Die so beschwichtigten Eltern hoffen dann von Schuljahr zu Schuljahr, dass sich die Leistungen ihres Kindes verbessern, dass sich die Probleme „auswachsen“.

Die LRS wächst sich nicht aus

Wächst sich eine Lese-Recht­schreib-Schwäche tatsächlich aus? Die Antwort darauf ist klar und eindeutig: Nein! Je früher und intensiver junge Menschen Hilfe erhalten, desto schneller ist der Anschluss zu schaffen und desto mehr Kummer bleibt allen Beteiligten erspart. Manchmal hören Eltern, dass andere Schüler ohne zusätzliche Hilfe die Lernziele im Lesen und Schreiben erreicht hätten. Doch auf solche Aussagen ist kein Verlass, denn bei jedem Kind ist der Fall anders, und die Erfahrung zeigt, dass das Abwarten mit einer ständigen Zunahme der Schwierigkeiten einhergeht. Wertvolle Zeit verstreicht, in der man dem Kind durch gezielte Hilfe das Lernen hätte ermöglichen können. Die Lücken werden immer größer und der zu leistende Aufwand, diese zu schließen, immer größer.

Abwarten gefährdet den Schulerfolg

Zu langes Warten gefährdet den Schulerfolg und verringert die Berufschancen. Denn neben schlechten Zensuren in Deutsch bewirken die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben auch schlechtere Leistungen in den Fremdsprachen und anderen Fächern, sogar im naturwissenschaftlichen Bereich. Die gehäuften Misserfolge bringen das Kind in einen Teufelskreis. Am Beispiel Lesen lässt sich das gut zeigen: Wenn dem Kind das Lesen schwerfällt, wenn es fehlerhaft, stockend und langsam liest, geht es vermutlich mit Unlust ans Lesen. Da es ungern liest, liest es meist weniger als gleichaltrige Mitschüler, die gerne lesen. Es hat damit weniger Übung und schneidet bei weiteren Vergleichen immer schlechter ab. Seine Entwicklungsverzögerungen im Lesetempo und im verstehenden Lesen werden größer. Es wird entmutigt und ist immer schwerer zu motivieren. Diese Schwierigkeiten müssen unbedingt behoben werden, denn die Fähigkeit des verstehenden Lesens ist in allen Fächern notwendig.

Rechtzeitige Hilfe ist wichtig

Erhalten junge Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben zu spät Hilfe, vergrößern sich die Lernlücken und der Abstand zu den anderen wächst. Darüber hinaus beeinträchtigen die ständigen Misserfolge das Selbstwertgefühl. Um sich den schwer zu bewältigenden Leistungsanforderungen zu entziehen, entwickeln Kinder oftmals auffällige Verhaltensweisen. Sie verschließen sich, lehnen sich auf, spielen in der Gruppe den Klassenclown oder stören den Unterricht. Dieses Verhalten ist Ausdruck einer seelischen Not, nicht etwa Boshaftigkeit. Die seelische Not ist auch ein Grund dafür, dass nicht abgewartet werden darf. Es ist unverantwortlich gegenüber den betroffenen jungen Menschen, sie einfach in ihrer ausweglos erscheinenden Lage zu belassen.

Eltern sollten also bei Lese- und Schreibproblemen ihres Kindes auf keinen Fall zögern! Das Richtige ist, sich zu informieren und nach Hilfe umzuschauen. Eine seriöse außerschulische Therapie kann durch die passende individuelle Förderung die Probleme nachhaltig beheben.

Zuständige Anlaufstellen

Bei Lese- und Schreibproblemen sollten Eltern mit dem Deutschlehrer sprechen. In jedem Fall ist die Durchführung eines diagnostischen Rechtschreibtests durch Experten anzuraten. Das LOS bietet bei Lese-Rechtschreibproblemen eine kostenlose Testung und Beratung sowie den Austausch mit den Lehrern des Kindes an.

Gespräch mit dem unterrichtenden Lehrer

Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind sich beim Lesen und Schreiben auffällig schwertut, dann sind die unterrichtenden Deutschlehrer erste Ansprechpartner. Das Gesprächsergebnis kann unterschiedlich ausfallen: In einem Fall bestätigt der Lehrer die Sorgen und rät zu helfenden Maßnahmen. Um ein schärferes Bild der bestehenden Problematik zu bekommen, müssen die Eltern danach mit ihrem Kind einen wissenschaftlich standardisierten Test, wie den von Dr. Peter May entwickelten Online-Rechtschreibtest schreib.on, durchführen lassen. Im anderen Fall beruhigt der Lehrer die Eltern und gibt zu verstehen, dass die beobachteten Schwierigkeiten aus seiner Sicht phasenbedingt seien und deshalb in absehbarer Zeit verschwinden würden. Nach einem solchen Gesprächsausgang sollten Eltern ihr Kind dennoch testen lassen, um zu wissen, wo es tatsächlich steht.

Hilfe bei Ärzten

Nur wenn Zweifel bestehen, kann die Sehfähigkeit junger Menschen bei einem Augenarzt und das Hörvermögen bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht werden. Wenn bei Kindern oder Jugendlichen zusätzlich zu den Lese- und Schreibproblemen schwere Aufmerksamkeitsstörungen oder erkennbare Verhaltensauffälligkeiten auftreten, ist eine Untersuchung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater notwendig.

Test, Rat und Hilfe

In fast allen Fällen sind die Lernschwierigkeiten auf die Bereiche des Lesens und Rechtschreibens eingegrenzt. In jedem dieser Fälle ist es notwendig, die Lese- und Rechtschreibfähigkeit testen zu lassen. Eine solche diagnostische Erhebung ist problemlos in einem LOS möglich. Das LOS bietet aber nicht nur eine zuverlässige Diagnose, sondern auch eine kostenlose Beratung zu Problemen rund um die Lese-Recht­schreib-Schwäche an. In Gesprächen und LOS-Seminaren für Eltern und Pädagogen können diese sich umfassend informieren. Neben den LOS bietet auch die Hotline des Alphabetisierungsverbandes Beratung für Erwachsene an: www.alphabetisierung.de