LRS und Legasthenie

LRS, Legasthenie und Lese-/Recht­schreib­schwäche

In Deutschland wird das Erscheinungsbild der Lese-Recht­schreib­-Schwäche manchmal als „Legasthenie“ bezeichnet, was wörtlich übersetzt „Leseschwäche“ bedeutet. Vermittelt wird mit diesem Begriff nicht selten die Vorstellung, dass die damit verbundenen Defizite eine krankhafte und nicht veränderbare Störung darstellen.
Junge Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben sind nicht krank. Die in einem bestimmten Stadium ihres schulischen Lernens auftretenden Probleme sind meist Hinweise auf noch nicht vollzogene Lernschritte. Statt Ursachenforschung zu betreiben, muss schnell mit einer speziellen pädagogischen Förderung begonnen werden.

Lesen und Schreiben lernen

Die Erfahrung zeigt, dass sich junge Menschen die beiden Fertigkeiten Lesen und Schreiben in unterschiedlichem Tempo aneignen. Die einzelnen Entwicklungsstufen, die durchlaufen werden müssen, sind zwar gleich; die Zeit, die die Kinder brauchen, um diese Grundfertigkeiten zu verstehen, einzutrainieren und zu automatisieren, unterscheidet sich dagegen teilweise erheblich. Es verwundert daher nicht, dass früher oder später große Unterschiede im Leistungsstand der Kinder, bezogen auf das Lesen und Schreiben, entstehen können. Studien zeigen, dass die Kluft zwischen den normalen Lernern und den Risikokindern noch größer ist, wenn in den ersten Schuljahren das Lesen- und Schreibenlernen frei, also nicht mit strukturierten Materialien und Methoden, erfolgt.

Lese-Recht­schreib-Schwäche, Lese-Rechtschreib-Störung und LRS

Sind altersgemäße Entwicklungsschritte bei dem Kind im Lesen und Schreiben nicht oder nur ungenügend vollzogen, so spricht man von einer LRS. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Versuche, die Gruppe der lese-rechtschreibschwachen Schüler von den anderen Schülern deutlich abzugrenzen, indem durch altersnormierte Tests überprüft wurde, ob sich Kinder mit ihrer Leistung im Durchschnitt bewegen oder darunter liegen. Diese Versuche dürfen als gescheitert gelten. Es existiert ein fließender Übergang zwischen der schweren Form der Beeinträchtigung der Schriftsprachentwicklung, wie sie in der Definition ICD-10 der WHO als „Lese-Rechtschreibstörung“ bezeichnet wird, und leichteren Formen der Beeinträchtigung, die üblicherweise unter dem Sammelbegriff „Lese-Recht­schreib-­Schwäche stehen, sowie der normalen Entwicklung.

Nach dem Verständnis der LOS steht der Begriff Lese-Recht­schreib­-Schwäche für jede Form von Schwierigkeiten bei der Aneignung der Fähigkeit, Schrift lesend und schreibend kompetent zu gebrauchen. Da sich LRS-Schüler Lesen und Schreiben in einem anderen Tempo als andere Schüler aneignen, kann LRS als noch nicht vollzogene Lernschritte im Schriftspracherwerb aufgefasst werden. Somit muss eine Diagnose auf die Überprüfung eben dieser Lernschritte abzielen und darf nicht lediglich die Gesamtleistung richtige Wörter oder Fehlerzahl betrachten.

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Ursachen für eine LRS

Die Wissenschaft betrieb von Anfang an Ursachenforschung. Es konnten jedoch bisher keine Faktoren ermittelt werden, die alle Fälle von Lese-Recht­schreib­-Schwäche hätten erklären können. Genetische Faktoren dürfen jedoch als Hauptgrund für eine Lese-Recht­schreib­-Schwäche angesehen werden. Denn bei ungefähr zwei Dritteln der Kinder sind auch Elternteile, Geschwister oder nahe Verwandte von einer Lese-Recht­schreib­-Schwäche betroffen, männliche Personen sind fast doppelt so häufig lese-rechtschreibschwach wie weibliche.

Die LOS sind mit führenden Wissenschaftlern einer Meinung: Eine Lese-Recht­schreib­-Schwäche ist keine Krankheit und auch keine Art von Behinderung. Statt lange nach Ursachen zu suchen, ist es ratsam, die Schwierigkeiten anzugehen und möglichst rasch zielgerichtet Hilfe zu leisten. Lese-rechtschreibschwachen jungen Menschen kann mit pädagogischen Mitteln geholfen werden. Dazu zählen strukturierte Methoden und Materialien, die den Wissensstand jedes einzelnen Schülers berücksichtigen, und Pädagogen mit Expertenwissen, die in der Lage sind, die jungen Menschen zum Lernerfolg zu führen.