Mathematik und Lesekompetenz oder "nur wer gut liest, ist auch in Mathematik gut" - beides ist eng miteinander verflochten

Mathematik und Lesekompetenz oder "nur wer gut liest, ist auch in Mathematik gut" - beides ist eng miteinander verflochten

Probleme im Lesen sind selbst im Fach Mathematik nicht folgenlos. Bei mangelnder Lesefertigkeit kann der Schüler mathematische Aufgabenstellungen und Textaufgaben nicht oder nur mit äußerster Mühe entschlüsseln. Vor allem leseschwache Kinder benötigen eine sorgsame Hinführung zum fachspezifischen Gebrauch der Wörter in der Mathematik sowie zum Verständnis diskontinuierlicher Texte.

Schwache Lesekenntnisse – gute Deutschnote?

Schüler mit schwachen Lesefähigkeiten können durchaus eine gute Deutschnote im Zeugnis haben, denn Lesen macht nur einen kleinen Teil dieser Note aus. In Mathematik ist die Zeugnisnote dann häufig sehr schlecht. Eltern suchen deshalb für ihre Kinder Hilfe in Mathematik, statt die Ursache anzugehen und eine Förderung im Lesen zu beginnen.
Kinder, Jugendliche und Berufsschüler mit Problemen im Lesen und Schreiben tun sich auch in den anderen Schulfächern schwer, in denen Lese- und Schreibfertigkeiten eine notwendige Voraussetzungen sind. Aber bleibt nicht wenigstens das Hauptfach Mathematik von einer Lese-Recht­schreib-Schwäche unberührt?

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Textaufgaben

Nicht selten werden den Schülern bereits in der 2. Klasse in Mathematik einfache Textaufgaben gestellt. Ein Kind, das aber auch sehr einfache Texte überhaupt nicht lesen, geschweige denn verstehen kann, verfügt nicht über die notwendigen Voraussetzungen, um Textaufgaben zu bewältigen, selbst wenn es bei reinen Rechenaufgaben sehr gut zurechtkommt. Ein Mindestmaß an Lesefertigkeit ist also die Bedingung dafür, dass sich Kinder überhaupt an eine Textaufgabe heranwagen können.
Selbst wenn sich der Schüler den Bedeutungsgehalt normaler Texte im Wesentlichen erschließen kann, tut sich ihm bei Textaufgaben eine spezielle verstehensmäßige Hürde auf. Denn viele Ausdrücke, die wir aus unserer Umgangssprache kennen, haben im Bereich der Mathematik eine veränderte Bedeutung. Leseschwache Schüler erleben diese Sondersprache der mathematischen Textaufgaben als zusätzlichen Stolperstein.
Beim Begriff „Textaufgabe“ denkt man üblicherweise an einen aus meist mehreren Sätzen bestehenden Text, der sich von der Rechenaufgabe durch eine textliche Verschlüsselung der Zahlenverhältnisse unterscheidet. Dabei spielt die Länge des Textes sicherlich eine Rolle, aber sie sagt für sich genommen noch nichts über den Schwierigkeitsgrad einer Textaufgabe aus. Auch ziemlich kurze Texte können es in sich haben. Manchen Textaufgaben fehlt am Schluss die Formulierung der Aufgabenstellung in Form eines Fragesatzes. In diesen Fällen muss sich der Schüler die Aufgabenstellung erst aus den Aussagesätzen des Textes erschließen.

Diskontinuierliche Texte

Die größten Anforderungen an die Lesefertigkeiten der Schüler stellen sogenannte diskontinuierliche Texte. Sie sind in mathematischen Lehrbüchern, aber auch in den naturwissenschaftlichen Fächern zu finden. Der Inhalt liegt zum Teil in Form von grafischen Zeichen, Zahlen, Skizzen, Tabellen usw. vor. Die Blickführung des Auges ist nicht oder nur wenig vorgegeben, und die Abfolge der Informationsaufnahme liegt im Ermessen des Schülers.