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Lese-Rechtschreib-Schwäche


 

 

Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)

Unvollständig durchlaufene Entwicklungsstufen

Wenn Kinder das Lesen und Schreiben erlenen, durchlaufen sie alle dieselben Entwicklungsstufen. Auf jeder Stufe lernen sie zunächst die spezifischen Grundfertigkeiten kennen und trainieren sie dann ein, um sie schließlich automatisch anwenden zu können. Dafür brauchen Kinder unterschiedlich lang: Manche Kinder durchlaufen die einzelnen Entwicklungsstufen sehr schnell, während andere mehr Zeit benötigen. Dementsprechend können die schulischen Leistungen der jungen Menschen auch innerhalb einer Klassenstufe stark differenzieren.

Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (manchmal auch "Lese-Rechtschreibschwäche" oder "LRS") durchlaufen die einzelnen Entwicklungsstufen beim Schriftspracherwerb meist unvollständig bzw. oft gar nicht. Ihnen unterlaufen häufig Rechtschreibfehler und sie haben Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten. Eine "isolierte Rechtschreibstörung" hingegen kommt selten vor, da die Entwicklung des Lesen und des Schreibens weitestgehend parallel verläuft. Meist kommen Leseprobleme deshalb in Kombination mit Rechtschreibproblemen vor.

Lese-Rechtschreib-Schwäche wird auch "Legasthenie" (wörtliche Übersetzung "Leseschwäche") genannt. Der Begriff "Legasthenie" deutet an, dass es sich bei Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben um eine Krankheit handelt. Dies ist so nicht richtig.

Therapie der Lese-Rechtschreib-Schwäche

Individuelle Förderung, unabhängig von den Ursachen

In ihrer Verzweiflung denken Eltern manchmal, dass die Schwierigkeiten ihres Kindes unabänderlich seien. Allerding können Lese- und Rechtschreibleistungen Betroffener durch die richtige außerschulische Förderung erheblich verbessert werden.

Wissenschaftler diskutieren seit Jahrzehnten darüber, wie und warum eine LRS entsteht, und ob zum Beispiel genetische Ursachen zugrunde liegen. Denn bei ca. zwei Dritteln der Fälle haben auch nahe Verwandte besondere Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Bis heute sind die Ursachen von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten nicht eindeutig geklärt, war für eine erfolgreiche Förderung allerdings unerheblich ist. Eine erfolgreiche Förderung unterstützt LRS-Kinder beim Lernen. Sie verfolgt das Ziel, bisher noch nicht vollzogene Lernschritte nachzuholen.

Eine wirksame Förderung muss von speziell dafür ausgebildeten pädagogischen Fachkräften und mit strukturierten Unterrichtsmaterialien erfolgen und an den bereits bestehenden Kenntnissen der Schülerinnen und Schüler ansetzen. Ein Hauptbestandteil einer individuellen LRS-Therapie ist außerdem die Förderung der phonologischen Bewusstheit.

Woran können Eltern eine Lese-Rechtschreib-Schwäche erkennen?

Hinweise frühzeitig erst nehmen

Wenn Eltern feststellen, dass ihr Kind sehr langsam und unsicher liest, beim Lesen stockt und den Inhalt kurzer Texte nicht versteht, sollten sie aufmerksam werden: Es könnte sich dabei um ernstzunehmende Probleme handeln. Kindern mit LRS unterlaufen nicht nur häufig Rechtschreibfehler beim Schreiben von Diktaten und Verfassen von eigenen Texten, sondern sogar beim Abschreiben von vorgegebenen Texten. Eltern sollten vor allem dann aufmerksam werden, wenn ihr Kind Wörter, die zuvor intensiv eingeübt wurden, einmal richtig und dann wieder falsch schreibt. Denn das kann ein deutlicher Hinweis auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein.

Der Irrglaube, dass legasthene Kinder beim Schreiben spezielle Fehler machen, ist weit verbreitet, entspricht aber nicht dem aktuellen Kenntnisstand zu Lese-Rechtschreib-Störungen (manchmal auch „Lese-Rechtschreibstörungen“). Folgende Fehler können auf das Vorliegen von LRS hindeuten: Das betroffene Kind lässt Buchstaben scheinbar willkürlich aus, während es an anderer Stelle Buchstaben hinzufügt oder sie vertauscht. Ganz allgemein macht das Kind auffällig viele Rechtschreibfehler.

Hat ein Kind nicht nur Probleme im Fach Deutsch, sondern auch in anderen Fächern, liegt das häufig nicht an fehlender Intelligenz. Oft wirkt sich eine Lese-Rechtschreib-Schwäche bzw. Legasthenie bei jungen Menschen auf die Leistungen in anderen Schulfächern aus. Versteht ein Schüler eine Textaufgabe in Mathematik oder Physik aufgrund seiner Lese- und Rechtschreibstörung nicht, wird er sie auch nicht lösen können. Er leidet in diesem Fall also nicht etwa an einer Dyskalkulie (Rechtschwäche), sondern es sind seine Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, die allmählich nicht nur zu schlechten Noten in Deutsch, sondern meist auch in den anderen Fächern führen. Natürlich können schlechte Deutschnoten – besonders in Diktaten – ein erster Hinweis auf ernsthafte Defizite bei den Lese-Rechtschreib-Leistungen des Kindes sein.

LRS-Kinder wirken beim Lernen häufig auch extrem zappelig oder verträumt. Was zunächst als Anzeichen von ADS/ADHS interpretiert werden könnte, ist manchmal aber auch einfach nur Ausdruck der Schwierigkeiten im Umgang mit der geschriebenen Sprache. LRS-Kinder spielen gerne mal den Klassenclown oder verfallen in Tagträume, um sich in dieser Zeit nicht mit dem eigentlichen Thema – nämlich dem Lesen und Rechtschreiben – befassen zu müssen.

Was können Eltern tun?

Abklärung mittels LRS-Test

Mit ihrem Verdacht sollten sich Eltern möglichst bald an ein LOS wenden und den standardisierten sowie wissenschaftlich fundierten Rechtschreibtest schreib.on durchführen lassen. In einer ausführlichen Beratung durch die LOS-Experten erhalten Eltern Informationen zur Problematik der Rechtschreibschwäche und der möglichen Hilfe für ihr Kind. Sollte eine Förderung nötig sein, so liefern die Ergebnisse des diagnostischen Rechtschreibtests auch die Grundlage für eine individuelle Förderung.

Je früher eine Unterstützung mit passenden, individuellen Maßnahmen erfolgt, desto besser ist es für das betroffene Kind. Unbehandelt hingegen belastet eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Legasthenie einen betroffenen Menschen in seiner schulischen und beruflichen Laufbahn und später auch noch im Erwachsenenalter. Die Lese-Rechtschreib-Problematik hat nicht nur in der Schule Auswirkungen auf die meisten Fächer, sondern beeinträchtigt das Wohlbefinden des Kindes ganz allgemein. Legastheniker können neben einer ausgeprägten Schulangst in Extremfällen auch psychische Störungen und Erkrankungen entwickeln.