Notenschutz und Nachteilsausgleich

Notenschutz und Nachteilsausgleich

Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf schulischen Nachteilsausgleich und/oder Notenschutz.

Wird Notenschutz gewährt, bedeutet das, dass der Schüler für die Zeit, in der die LRS festgestellt ist, sowohl bei Klassenarbeiten als auch auf dem Zeugnis zwar in Deutsch benotet, die Rechtschreibleistung aber nicht in die Gesamtnote im Fach Deutsch eingerechnet bzw. anders als bei anderen Schülern gewichtet wird. Der Nachteilsausgleich hingegen hat nichts mit der Notengebung – also der Bewertung – zu tun, sondern erfolgt vorher, bei der Erbringung der Leistung. Er kann beispielsweise in einem Zeitzuschlag oder anderen Maßnahmen wie z. B. in der Benutzung PCs mit Rechtschreibkorrekturprogramm bestehen.

Sowohl Notenschutz als auch Nachteilsausgleich sind nur dann sinnvoll, wenn sie einem unter starkem Notendruck stehenden LRS-Kind eine gewisse seelische Entlastung verschaffen. Gleichzeitig ist es aber unerlässlich, dem Kind eine gezielte Förderung zu ermöglichen, damit die Probleme im Lesen und Schreiben reduziert und behoben werden können. Sich auf Rücksichtnahmen der Lehrer allein zu verlassen, kann das Problem in unguter Weise verschleppen.

Notenschutz und Nachteilsausgleich, gleich in welcher Form, sind also Überbrückungsmaßnahmen. Die Gewährung von Notenschutz hat Vorteile und Nachteile.

Vorteile

Durch ständige Misserfolge trotz Übens wird das Kind entmutigt. Wenn keine Besserung eintritt, wird diese Mutlosigkeit immer stärker. Notenschutz und Nachteilsausgleich können dem jungen Menschen eine Zeitlang Entlastung vom Notendruck und damit seelische Erleichterung verschaffen. Durch Notenschutz und/oder Nachteilsausgleich kann der Teufelskreis aus schlechten Noten, daraus resultierender seelischer Belastung, die wiederum die Leistungen weiter absinken lässt, vorübergehend durchbrochen werden.

Gefahren

Andererseits bergen die Entlastungen aber auch Gefahren in sich. Es wird bei manchen Eltern und Lehrern die Haltung gefördert, mit der Gewährung von Notenschutz und/oder Nachteilsausgleich sei das Problem der Lese-Recht­schreib­-Schwäche nicht mehr relevant. Gerade Kinder mit großen Defiziten sind durch die Entlastung für das notwendige zusätzliche Üben schwerer zu motivieren. Das Kind sagt sich beispielsweise: „Warum soll ich üben, ich bekomme doch sowieso keine Zensur.“ Es erlebt also die Notwendigkeit, den Altersanschluss zu schaffen, im schulischen Alltag nicht mehr. Zuweilen steckt sogar die falsche Meinung dahinter, eine LRS bliebe immer und eine Förderung sei daher sinnlos.

Notenschutz und Nachteilsausgleich ersetzen keineswegs eine Förderung

Die Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben selbst werden durch Gewährung von Notenschutz und/oder Nachteilsausgleich natürlich nicht behoben. Die Grundstrategien des verstehenden Lesens sowie die Fähigkeit des Verschriftens bilden eine absolute Notwendigkeit, um den schulischen Alltag überhaupt bewältigen zu können. Deshalb ersetzen diese Entlastungen in keinem Fall die notwendige Hilfe durch eine intensive und gezielte pädagogische LRS-Therapie. Bleiben Notenschutz oder Nachteilsausgleich die einzige Maßnahme gegen die nachteiligen Folgen einer LRS, so schreibt man die Schwäche fest und verschafft dem jungen Menschen nicht die nötige Sicherheit im Lesen und Schreiben. Neben den genannten Entlastungen ist so schnell wie möglich eine wirksame pädagogisch orientierte Förderung einzuleiten. Den anstrengenden Prozess des Lese-Rechtschreiblernens können Eltern ihrem Kind nicht ersparen. Im Gegenteil, es braucht rechtzeitig und anhaltend mehr Übung und Unterweisung als andere Kinder, um die nicht vollzogenen Lebensschritte aufzuholen.

Tipp!

Regelungen weichen in den einzelnen Bundesländern teilweise sehr stark voreinander ab. Welche Formen von Notenschutz und/oder Nachteilsausgleich bei LRS gewährt werden, ist in den Legasthenie-Erlassen der einzelnen Bundesländer festgelegt. Die Regelungen zum Notenschutz und zum Nachteilsausgleich finden Sie für die einzelnen Bundesländer in Suchmaschinen unter dem Stichwort: KMK, Regelung zum Notenschutz/Regelung zum Nachteilsausgleich.