ADHS und LRS: Wenn Konzentrationsprobleme das Lernen blockieren
Der Schulalltag fordert von Kindern Höchstleistungen: Stundenlanges Stillsitzen, extreme Fokussierung und das fehlerfreie Verarbeiten von Informationen. Für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ohne Hyperaktivität (ADS) gleicht dieser Alltag einem permanenten mentalen Kraftakt.
Besonders brisant: ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) treten überdurchschnittlich oft gemeinsam auf. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie Sie die Symptome von ADHS und ADS im Alltag erkennen, warum Konzentrationsschwächen den Schriftspracherwerb massiv behindern und wie das LOS betroffenen Kindern hilft, trotz Unruhe den Anschluss beim Lesen und Schreiben zurückzugewinnen:
Was ist ADHS? Eine neurobiologische Spurensuche
ADHS vs. ADS: Der stille Kampf der “Träumer”
ADHS-Symptome: Die drei Kernbereiche im Alltag
Warum ADHS und LRS so oft Hand in Hand gehen
Der LOS-Ansatz: Wie wir Kindern mit ADHS und LRS helfen
Häufige Fragen (FAQ)
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Was ist ADHS? Eine neurobiologische Spurensuche
Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine der häufigsten neurobiologischen Verhaltensbesonderheiten im Kindes- und Jugendalter. Etwa drei bis fünf Prozent aller Schulkinder sind davon betroffen.
Entgegen veralteter Vorurteile ist ADHS weder die Folge von Erziehungsfehlern noch ein Zeichen mangelnder Intelligenz. Die Ursachen liegen in einer veränderten Informationsverarbeitung im Gehirn:
- Der Botenstoff-Mangel: Im Bereich des Frontallappens, der für die Handlungsplanung und Reizfilterung zuständig ist, steht zu wenig Dopamin und Noradrenalin zur Verfügung.
- Die Reizüberflutung: Da der körpereigene Filter im Gehirn blockiert ist, strömen Umweltreize (das Summen einer Fliege, ein Flüstern im Klassenzimmer) ungefiltert auf das Kind ein. Das Gehirn wird permanent überlastet.
- Der Bewegungsdrang: Die Hyperaktivität und das Zappeln sind oft unbewusste Versuche des Körpers, durch Bewegung die eigene Dopaminproduktion wieder anzukurbeln.
ADHS vs. ADS: Der stille Kampf der „Träumer“
Während der hyperaktive Typus (ADHS) durch lautes, impulsives Verhalten im Unterricht sofort auffällt, bleibt die zweite Variante oft jahrelang unbemerkt: das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ohne Hyperaktivität (ADS).
Aufmerksamkeitsdefizit
Kinder mit ADS stören den Unterricht nicht. Sie flüchten sich bei Reizüberflutung in Tagträumereien und fallen erst dann auf, wenn ihre Leistungen in den Kernfächern Deutsch und Mathematik massiv absacken. Die Not dieser Kinder ist jedoch genauso groß wie die der hyperaktiven Mitschüler.
ADHS-Symptome: Die drei Kernbereiche im Alltag
Die Diagnose einer Aufmerksamkeitsstörung gehört immer in die Hände von Fachärzten. Für Eltern bieten die folgenden drei Kernbereiche (Symptomtrias) jedoch eine wichtige erste Orientierung:
1. Unaufmerksamkeit & Ablenkbarkeit
- Das Kind bricht angefangene Aufgaben schnell ab und lässt sich durch kleinste Außenreize ablenken.
- Es zeigt eine mangelnde Detailgenauigkeit – auffällig viele Flüchtigkeitsfehler beim Lesen, Abschreiben oder Rechnen sind die Folge.
- Arbeitsmaterialien, Hefte oder Hausaufgaben werden ständig verlegt, vergessen oder unstrukturiert begonnen.
2. Impulsivität
- Das Kind platzt mit Antworten heraus, bevor Fragen ausformuliert sind, oder unterbricht Gespräche.
- Es zeigt eine sehr geringe Frustrationstoleranz: Schlagen Aufgaben fehl, kommt es zu heftigen Wutausbrüchen oder Tränen.
- Es fällt ihm extrem schwer, abzuwarten, bis es an der Reihe ist.
3. Hyperaktivität (nur bei ADHS)
- Ständiges Zappeln mit Händen und Füßen, Rutschen auf dem Stuhl oder unruhiges Aufstehen im Unterricht.
- Ein übermäßiger, oft sehr lauter Rededrang.
- Eine dauerhafte, schwer zu regulierende innere Getriebenheit.
Warum ADHS und LRS so oft Hand in Hand gehen
Es ist kein Zufall, dass ca. 30 bis 50 Prozent aller Kinder mit ADHS gleichzeitig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) aufweisen. Um ein Wort fehlerfrei zu schreiben oder flüssig zu lesen, benötigt das Gehirn ein voll funktionsfähiges Arbeitsgedächtnis. Genau dieses ist bei ADHS-Betroffenen jedoch durch den Dopaminmangel blockiert.
Beim Schreiben muss das Kind gleichzeitig:
- Den Laut im Gedächtnis behalten.
- Ihn in den passenden Buchstaben übersetzen.
- Die passende Rechtschreibregel abrufen.
- Den Stift motorisch korrekt führen.
Ein Kind mit ADHS verliert bei diesem komplexen Prozess auf halbem Weg den Fokus. Es vergisst das Wortende, überspringt Zeilen beim Lesen oder vertauscht Buchstaben, weil die visuelle Konzentration wegbricht. Aus der permanenten Aufmerksamkeitsstörung erwachsen so handfeste, dauerhafte Lücken im Schriftspracherwerb.
Der LOS-Ansatz: Wie wir Kindern mit ADHS und LRS helfen
Ein Kind, das von beiden Einschränkungen betroffen ist, benötigt eine Förderung, die an der richtigen Stelle ansetzt. Reine Konzentrationstrainings vermitteln keine Rechtschreibregeln, und klassische Nachhilfe scheitert meist am mangelnden Fokus des Kindes.
Das LOS bietet hier eine hochspezialisierte, pädagogische LRS-Therapie, die optimal auf die Bedürfnisse von ADHS- und ADS-Kindern abgestimmt ist:
- Strikte Reizreduktion & Struktur: In unseren Instituten arbeiten wir in kleinen, homogenen Gruppen. Der Unterricht folgt einem streng ritualisierten, ruhigen Ablauf. Diese äußere Struktur gibt dem Gehirn des ADHS-Kindes die dringend benötigte Sicherheit und mindert den Organisationsaufwand.
- Präzise Niveaustufe: Durch den wissenschaftlichen Online-Test schreib.on ermitteln wir den exakten Leistungsstand Ihres Kindes im Schriftsprachbereich. Unser Lehrmaterial ist so aufgebaut, dass es das Kind weder überfordert (was zu Frustausbrüchen führt) noch unterfordert (was Langeweile und Ablenkung provoziert).
- Motivation durch Erfolg: Durch kleinschrittige, direkt messbare Fortschritte erfährt das Kind wieder echte Erfolgserlebnisse. Dies stärkt das angeknackste Selbstwertgefühl nachhaltig und nimmt dem Thema Schule die zerstörerische Dynamik im Familienalltag.
Häufige Fragen (FAQ)
Definition, Diagnose und Behandlung bei ADHS
Was ist ADHS?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: es handelt sich um eine neurobiologische Besonderheit, bei der die Signalübertragung im Gehirn (vor allem durch die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin) anders reguliert ist. Das erschwert die Steuerung von Aufmerksamkeit, Impulsen und körperlicher Unruhe. Es ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eine andere Art der Informationsverarbeitung.
Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?
Der Hauptunterschied liegt im „H“ für Hyperaktivität. Während Menschen mit ADHS oft einen starken körperlichen oder inneren Bewegungsdrang zeigen, äußert sich ADS (oft auch als unaufmerksamer Typ bezeichnet) eher durch Verträumtheit, langsame Informationsverarbeitung und eine „nach innen gekehrte“ Unaufmerksamkeit. Sie fallen im Alltag weniger auf, leiden aber unter der gleichen Ablenkbarkeit.
Wächst sich ADHS im Erwachsenenalter aus?
Nein, in den meisten Fällen nicht. Bei rund 50–60 % der Betroffenen bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Allerdings verändert sich das Erscheinungsbild: Die körperliche Hyperaktivität wandelt sich oft in eine innere Getriebenheit, Nervosität oder in Probleme bei der Selbstorganisation und Alltagsstrukturierung.
Wer stellt die Diagnose und wie läuft sie ab?
Die Diagnose gehört in die Hände von Fachärzten (Kinder- und Jugendpsychiater, Psychiater für Erwachsene) oder spezialisierten psychologischen Psychotherapeuten. Es gibt keinen einzelnen „ADHS-Test“. Die Diagnose ist ein Puzzlespiel aus ausführlichen Gesprächen (Anamnese), standardisierten Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen und dem Ausschluss anderer körperlicher oder psychischer Ursachen.
Wie wird ADHS behandelt?
Die erfolgreichste Behandlung setzt auf mehrere Säulen gleichzeitig:
(1) Psychoedukation zum Verstehen der eigenen Störung,
(2) Verhaltenstherapie/Coaching zum Erlernen von Strategien zur Alltagsorganisation, (3) Medikamente bei starkem Leidensdruck zur Balance der Botenstoffe sowie
(4) Umfeldberatung (Familie, Schule, Arbeitsplatz).
Müssen bei ADHS immer Medikamente genommen werden?
Nein, Medikamente sind ein wirksamer Baustein, aber kein Muss. Die Entscheidung hängt vom individuellen Leidensdruck und den Einschränkungen im Alltag ab. Viele Betroffene kommen mit psychotherapeutischer Unterstützung, Verhaltungsschulungen und einem strukturierten Umfeld sehr gut zurecht.
Wie kann man Betroffene im Alltag (oder in der Schule) unterstützen?
Struktur und Verständnis sind die wichtigsten Schlüssel:
(1) Klare Routinen mindern den Organisationsaufwand im Gehirn,
(2) Reizreduktion durch ablenkungsarme Arbeitsplätze (z. B. Noise-Cancelling-Kopfhörer),
(3) Kurze, klare Ansagen, um Aufgaben in überschaubare Zwischenschritte aufzuteilen, sowie
(4) Positives Feedback und Lob zur Stärkung der Motivation.
Wie häufig treten ADHS und LRS gemeinsam auf?
Laut aktuellen wissenschaftlichen Studien haben ca. 5 Prozent aller Schulkinder in Deutschland ADHS. Bei 30–50 Prozent dieser Kinder liegt gleichzeitig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) vor. Umgekehrt zeigen viele Kinder mit LRS auch Aufmerksamkeitsprobleme – nicht weil sie ADHS haben, sondern weil das anstrengende Lesen und Schreiben ihre Konzentration erschöpft.
Kann eine LRS wie ADHS aussehen?
Ja – das ist ein häufig übersehenes Problem. Wenn ein Kind beim Lesen oder Schreiben enorme Energie aufwenden muss, wird es schnell unruhig, unkonzentriert und ablenkbar. Diese Symptome können fälschlicherweise als ADHS interpretiert werden. Deshalb empfiehlt das LOS: Erst LRS ausschließen, dann ADHS diagnostizieren.
Hilft Ritalin bei schulischen Problemen durch LRS?
Nein. Ritalin und andere ADHS-Medikamente verbessern die Konzentrationsfähigkeit, beheben aber keine grundlegenden Defizite im Schriftspracherwerb. Wenn die schulischen Probleme eines Kindes auf einer LRS basieren, wird Ritalin die Lese- und Schreibschwäche nicht beseitigen. Eine gezielte LRS-Förderung ist in diesem Fall die wirksamere Maßnahme.
Was soll ich zuerst tun – ADHS-Test oder LRS-Test?
Das LOS empfiehlt, zuerst eine LRS als Ursache auszuschließen – denn eine unerkannte LRS kann ADHS-ähnliche Symptome verursachen. Der LRS-Test schreib.on im LOS gibt in ca. 30 Minuten Klarheit. Erst wenn eine LRS ausgeschlossen wurde, sollte ein ADHS-Test durch Fachärzte in Betracht gezogen werden.
Bietet das LOS eine ADHS-Förderung an?
Nein. Das LOS ist spezialisiert auf Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) – nicht auf ADHS-Therapie. Wir führen keine ADHS-Diagnostik durch. Wir helfen Ihrem Kind jedoch überall dort, wo eine LRS die eigentliche Ursache für schulische Probleme ist – auch wenn gleichzeitig ein ADHS-Verdacht besteht.
Wie kann ich herausfinden, ob mein Kind ADHS, LRS oder beides hat?
Der erste Schritt ist immer der LRS-Test schreib.on, da eine unerkannte LRS ADHS-ähnliche Symptome verursachen kann. Wenn eine LRS vorliegt und gezielt gefördert wird, verbessern sich häufig auch die Konzentration und das Schulverhalten. Eine ADHS-Diagnose sollte separat durch einen Kinder- und Jugendpsychiater erfolgen.
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Herausgeber & Qualitätssicherung:
Dieser Ratgeber wurde von der LOS-Fachredaktion erstellt. Um die höchste fachliche und wissenschaftliche Qualität zu garantieren, werden alle Inhalte von der pädagogischen Arbeitsgruppe entwickelt und in enger Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat des LOS-Verbundes sowie dem Vorstand geprüft und freigegeben.
Zuletzt fachlich aktualisiert am:11.09.2026





