40 Jahre LOS: Erfahrungsberichte
- Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Ehemalige Schülerinnen und Schüler erzählen über ihre Zeit im LOS
- Eltern erzählen von den Erfolgserlebnissen ihrer Kinder und dem Umgang mit LRS
- Institutsleiter und Pädagogen sprechen über Erfahrungen aus 40 Jahren LOS-Förderung
Wie Kinder, Eltern und Lehrkräfte über die Förderung der LOS denken
Am 2. Oktober 2022 feierten wir als LOS-Verbund unser 40jähriges Jubiläum. LOS gibt es heute an rund 100 Standorten in Deutschland und Österreich. In all den Jahren konnten in den einzelnen Lehrinstituten vor Ort rund eine halbe Million Menschen aller Altersgruppen gefördert werden. Das LOS-Konzept hat sich im Laufe der Jahre an die äußeren Umstände immer wieder anpassen müssen, aber eines ist nie verlorengegangen: der nachhaltige Erfolg unserer Förderung bei LRS und Legasthenie.
Zum diesjährigen Jubiläum wollen wir Kinder, Eltern und Lehrkräfte aus den LOS zu Wort kommen lassen. Denn sie haben die Förderung im LOS in der Praxis erlebt und können daher ihre persönliche Geschichte mit LOS am besten erzählen. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß und Freude mit ausgewählten Berichten aus 40 Jahren zur Förderung im LOS.
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Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche
Johannes, Schüler
LOS Erfurt
"Als ich vor sechs.Jahren ins LOS kam, hatte ich große Probleme in der Rechtschreibung."
(Johannes, 15 Jahre)
Mein Name ist Johannes Schirmer. Ich bin 15 Jahre alt und gehe in die John-F.-Kennedy-Gemeinschaftsschule in Erfurt und besuche die 9. Klasse. Als ich vor sechs.Jahren ins LOS kam, hatte ich große Probleme in der Rechtschreibung. Seitdem ich im LOS bin, verbesserte sich meine Handschrift auch. Ich bin gerne im LOS bin, weil es mir weiterhilft und mit mir viele Rechtschreibregeln besprochen werden. Besonders gut finde ich, dass die Aufgaben mit uns durchgegangen werden und uns unsere Fehlerschwerpunkte gezeigt werden. Ich finde, dass vor allem Worträtsel sehr gut sind, weil man Rechtschreibung lernt und gleichzeitig sein Köpfchen anstrengen muss. Ich strebe einen Realschulabschluss an. Um dieses Ziel zu erreichen, hilft mir das LOS.
Lennart, Schüler
LOS Sömmerda
“Am Anfang wollte ich nicht gerne hingehen, das hat sich aber mit der Zeit geändert.”
(Lennart, 15 Jahre)
"Ich bin kein Mensch der vielen Worte. Geschrieben habe ich auch noch nie gerne. Seit Mai 2019 gehe ich zweimal die Woche zum LOS. Zum Anfang war ich immer zweimal in der Woche dort, mittlerweile schaffe ich es aus schulischen Gründen nur einmal zum LOS und einmal in der Woche erledige ich Onlineaufgaben von zu Hause aus.
Am Anfang wollte ich nicht gerne hingehen, das hat sich aber mit der Zeit geändert. Ich habe viele neue Eselsbrücken und Sprüche für die Rechtschreibung gelernt und kann die jetzt auch anwenden, wie z.B. „Ver- und vor-, ich bin schlau, schreibe ich mit Vogel-V“. Im Lesen und Schreiben bin ich, seitdem ich das LOS besuche, echt besser geworden.
Beim LOS hatte ich immer die Möglichkeit meine Deutschhausaufgaben zu erledigen, ich kann für Klassenarbeiten und Gedichte lernen. Ich habe Arbeitsblätter bearbeitet, in einem Arbeitsheft gelernt und im zweiten Teil der Stunde Computer-Aufgaben gelöst. Manchmal haben wir als Gruppe zusammengearbeitet und manchmal müssen wir Aufgaben selbst lösen. Wenn wir Hilfe brauchen, bekommt man die auch. Von den Punkten, die ich die ganze Zeit gesammelt habe, konnte ich mir immer einen Stift, ein Lineal oder einen Radiergummi aussuchen.
Jetzt gerade sammle ich meine Punkte für einen Kinogutschein. Mit den meisten Lehrern und Lehrerinnen haben die eineinhalb Stunden Förderung echt Spaß gemacht und die Zeit verging echt schnell. Grüße gehen raus an Herrn Kunze. Fünf Jahre bin ich jetzt beim LOS und ich möchte mich für die tolle Zeit bedanken."
Simon, Schüler
LOS Forchheim
"Heute gehe ich in die 11. Klasse und kann sagen, dass ich einigen Schülern sogar ein Stück voraus bin."
(Simon, 16 Jahre)
Bereits in der 5. und 6. Klasse meiner Gymnasialzeit besuchte ich aufgrund meiner Lese-Rechtschreibschwäche das LOS in Forchheim. Sicherlich ist man als Schüler nicht gerade erfreut darüber, nach der Schule noch ein paar weitere Stunden zu lernen. Jedoch verhalf mir dies zu einem strukturierteren Schulalltag.
In der 7. und 8. Klasse besuchte ich aus familiären Gründen ein Internat in Baden-Württemberg. Meine Noten waren dort zwar direkt besser, jedoch nur, weil dort die Ansprüche an die Schüler deutlich niedriger waren als zuvor in Bayern. Mein Abitur wollte ich jedoch in Bayern und vor allem daheim machen. Deshalb strebte ich einen Wechsel zurück in eine bayrische Schule an.
Mir wurde empfohlen, aufgrund des Leistungsunterschieds, ein Jahr zu wiederholen. Da ich dies jedoch nicht wollte, wandten sich meine Eltern wieder an das LOS, mit dessen Hilfe ich die Lücke zu den „bayrischen“ Schülern schließen sollte. Dies sollte jedoch viel Arbeit und Fleiß in Anspruch nehmen. So nutzten wir bereits die Sommerferien, um die Aufsatzformen im Fach Deutsch zu festigen.
So wurden die Lücken immer geringer. Heute gehe ich in die 11. Klasse und kann sagen, dass ich einigen Schülern sogar ein Stück voraus bin. Die Frage, die sich stellt, ist nicht, ob ich das Abitur bestehe, sondern vielmehr, wie gut mein Abiturschnitt sein wird. Auch meine Lese-Rechtschreibschwäche blitzt nur noch selten auf.
Ludwig, Schüler
LOS Erfurt
"Ich bin jetzt schon seit fast 3 Jahren im LOS und es hat sich auf jeden Fall etwas geändert."
(Ludwig, 14 Jahre)
"Ich heiße Ludwig Brand, ich bin 14 Jahre alt, ich lerne in der Freien Waldorfschule Erfurt und gehe in die 8. Klasse. Ich bin jetzt schon seit fast 3 Jahren im LOS und es hat sich auf jeden Fall etwas geändert. Es gibt Tage, wo ich nicht so gerne hier hingehe, weil die Schule bereits anstrengend war. Aber meistens komme ich gerne her, weil ich weiß, dass mir hier geholfen wird. Am meisten Spaß machen mir die Spiele am Anfang, zum Beispiel: Bücherwurm, was ich mir auch selbst gekauft hab, um auch zu Hause weiter spielerisch lernen zu können. Die Lehrer sind hier alle cool. Ich weiß noch nicht genau, welchen Schulabschluss ich machen will, aber es soll wahrscheinlich der Realschulabschluss werden und bei der Erreichung dieses Ziel kann das LOS mich sicherlich unterstützen. Ich kann das LOS empfehlen, da es sehr viel hilft und auch Spaß macht. Alles Gute, LOS, zum 40. Geburtstag!"
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Ehemalige Schülerinnen und Schüler erzählen über ihre Zeit im LOS
Johanna, ehemalige Schülerin
LOS Bamberg
"Durch das LOS und ihre kompetenten, erfahrenen und humorvollen Pädagogen konnte ich für mein zukünftiges Leben viel mitnehmen."
(Johanna, 21 Jahre)
"Mein Name ist Johanna Jung, ich bin 21 Jahre alt und war von 2012 bis 2021 im LOS Bamberg. Zunächst war es sehr komisch und irgendwie auch beängstigend, schließlich wusste ich am Anfang nicht, wieso ich ins LOS musste. Zu der Zeit war ich 11 Jahre alt und ziemlich verschlossen. Wieso ich ins LOS musste, begriff ich erst später. Ich bin am Anfang hauptsächlich hingegangen, um meine LRS in den Griff zu bekommen. Die LRS habe ich mithilfe verschiedener Programme am Computer und den schriftlichen Lehrmaterialien vom LOS abbauen können. Nach ein paar Jahren waren Lesen und Schreiben nicht mehr das Problem.
Irgendwann musste man die Rechtschreibung gut können und der Satzbau musste „einigermaßen“ stimmen. Damit hatte ich auch lange zu tun gehabt. Je mehr es aber auf den Quali zu ging, desto besser wurde ich, auch mit Fremdwörtern konnte ich irgendwann umgehen. Den Quali hätte ich ohne das LOS und ihre großartigen Pädagogen nicht schaffen können, genauso die Mittlere Reife.
Nachdem ich den Quali schaffte, hatte ich den Ehrgeiz, die Mittlere Reife mit dem LOS gemeinsam noch zu erreichen. Diesen Erfolg konnte ich auch verzeichnen, das gelang durch viel Mühe, Schweiß, Förderung, Motivation und durch die Selbstinitiative, die ich in der langen Zeit entwickelte. Durch das LOS und ihre kompetenten, erfahrenen und humorvollen Pädagogen konnte ich für mein zukünftiges Leben viel mitnehmen. Zum Beispiel, dass einem nichts auf dem Weg gelegt wird, man wird vielleicht dort hingeleitet, aber alles andere muss man selbst machen. Ich konnte auch eine positive Charakterentwicklung wahrnehmen.
Vielleicht versteht man nicht, wie das bei einer Fördereinrichtung geht, aber es geht – ich spreche aus Erfahrung. Mit der Zeit entwickelte ich also eine Selbstständigkeit, größeren Ehrgeiz, ein neues Selbstbewusstsein, und das Wichtigste: Selbstinitiative. Man kann sich also denken, wie schwer mir dann der Abschied fiel. Schließlich war das LOS nicht mehr nur eine Fördereinrichtung, sondern ein sicherer Ort, mein „Safe Place“.
Damit die Pädagogen nicht zu kurz kommen: Es sind super liebe, erfahrene, lustige, kompetente Leute vor Ort, die haben immer Zeit für einen, auch wenn man außerhalb der Schule private Probleme hatte. Sie hören einem zu, geben dir immer einen Rat oder Tipp und das hat mir sehr geholfen. Deswegen war mir das LOS schon von Anfang an ziemlich schnell ans Herz gewachsen. Ich konnte viele meiner Probleme bewältigen und habe dennoch die Schule nicht aus den Augen verloren. Dadurch konnte ich zwei Abschlüsse verzeichnen."
Christine, ehemalige Schülerin
LOS Wuppertal
“Ich hätte vor meiner Zeit beim LOS Wuppertal nicht für möglich gehalten, dass ich mich sprachlich und schriftlich so stark verbessern könnte.”
(Christine, 24 Jahre)
"Schon als kleines Kind wurde bei mir eine Legasthenie diagnostiziert. Damals wurde die Krankheit nicht wirklich ernst genommen und mit dem Satz „das wächst sich spätestens mit der Pubertät raus“ abgetan. Heute weiß ich, dass dem nicht so ist.
In der Schule wurde ich nicht gefördert, da mir als Muttersprachlerin kein wirklicher Anspruch einer Förderung zustand und somit rückte es eher wieder in den Hintergrund. Ich schaffte trotz der nicht vorhandenen Förderung mein Abitur. Erst im Studium kam das Thema der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) wieder auf. Schnell wurde klar, wenn ich mein Studium schaffen möchte, muss ich an meinen Deutschkenntnissen arbeiten. (Um es hier schon vorwegzunehmen, auch mein Studium habe ich in meiner Zeit beim LOS erfolgreich abgeschlossen. Aus meiner Bachelorarbeit entstand der ein oder andere Fehlertext für den Unterricht, aber aus Fehlern lernt man bekanntlich am besten.)
Daraufhin meldete ich mich im Januar 2023 beim LOS Wuppertal an und besuchte jeden Samstagvormittag für drei Stunden den Deutschunterricht. Drei Stunden hören sich jetzt erst mal sehr lang an. Doch der Unterricht verging stets wie im Flug und war immer produktiv. In der Samstagsgruppe herrscht ein offenes und motiviertes Lernklima. Wir waren schließlich alle dort, um etwas zu lernen. Ich habe Grammatik- und Rechtschreibregeln gelernt, die wurden in der Schule nur kurz oder gar nicht behandelt, weil sie oft einfach vorausgesetzt wurden. Der Unterricht gestaltete sich immer sehr abwechslungsreich. Ob Übungen am Computer oder ganz klassisch auf dem Papier, größere Texte in Einzelarbeit oder kleinere Übungen in der Gruppe an der Tafel. Über ein breites Spektrum an Übungen wurden alle Schwerpunkte der deutschen Sprache abgedeckt. Ich konnte mich kontinuierlich verbessern.
Mein größter Meilenstein war, als ich das erste Mal in meinem Leben im LOS einen zweiseitigen, fehlerfreien Text, eine Spielanleitung, geschrieben habe. Darüber freue ich mich heute noch. Und jedes Mal, wenn ich dieses Spiel spiele, muss ich auch irgendwie an diesen Text denken. Dies bestätigt mir, dass der Unterricht Wirkung gezeigt hat und die investierte Arbeit entsprechend belohnt wurde. Vor meiner Zeit im LOS wäre ich nicht in der Lage gewesen, einen solchen Text zu verfassen.
Herr Troost nimmt sich Zeit, um auf individuelle Bedürfnisse von jedem einzelnen in der Gruppe einzugehen. Er fördert diese gezielt, um vorhandenen Defizite bestmöglich auszugleichen und gleichzeitig das Vorankommen der Gruppe zu sichern.
Ich hätte vor meiner Zeit beim LOS Wuppertal nicht für möglich gehalten, dass ich mich sprachlich und schriftlich so stark verbessern könnte. Mittlerweile würde ich sogar sagen, dass ich in bestimmten Bereichen der deutschen Sprache, vor allem was die Grammatik betrifft, sicherer bin, als manch einer in meinem Freundes- oder Familienkreis. Heute fühle ich mich deutlich sicherer im Umgang mit meiner eigenen Muttersprache."
Natascha, ehemalige Schülerin
LOS Rastatt
"Manchmal kommt der Spaß einfach erst nach dem Können und ich bin froh, dass meine LehrerInnen und ich durchgehalten haben und ich so Schreiben nun als wichtigen Teil meines Lebens bezeichnen kann."
(Natascha, 16 Jahre)
"Vor einer ganzen Weile, als ich am Ende meiner Grundschulzeit stand, kam ich zum Erstgespräch ins LOS Rastatt, da meine schlechten Leistungen im Bereich Lesen, Rechtschreibung und allgemein Deutsch für meine Eltern besorgniserregend schlecht ausfielen. Entsprechend war zu dieser Zeit mein Verhältnis zum Lesen und Schreiben von langen bzw. subjektiv lang empfundenen Texten am besten mit dem Wort „meh“ zu beschreiben.
Meine Bereitschaft für Veränderung in diesem Bereich hielt sich damals sehr in Grenzen, weshalb die ersten Jahre im LOS sehr beschwerlich waren. Arbeit steckt man nur gern in etwas, an dem man Spaß hat und damals war Deutsch auf meiner Liste, der spaßigen Freizeitaktivitäten irgendwo bei Müll rausbringen. Mit der Zeit ergab sich aber eine gewisse Routine und mit jedem Text, den ich widerwillig las, wurde der nächste ein μ (mü) weniger anstrengend.
In der achten Klasse war ich dann an dem Punkt, an dem ich in den Pausen Romane gelesen habe und die Referate meiner MitschülerInnen fast fehlerfrei auf Rechtschreibung korrigieren konnte. Deswegen endete meine Zeit im LOS hier.
Da ich Deutsch nun konnte, fing ich auch immer mehr an es zu mögen und mich auch in meiner Freizeit damit zu beschäftigen. Ich entdeckte Lyrik, Poetry Slams und auch das Schreiben eigener Texte für mich. Ich hatte nun ein völlig neues Werkzeug meine Gefühls- und Erlebenswelt auszudrücken. Mit Gedichten konnte ich Traumata verarbeiten, mit Kurzgeschichten über das Leben sinnieren und mit Essays die Gesellschaft satirisch kritisieren. Dabei erschuf ich diese Werke nicht immer allein und konnte so Freundschaften festigen, tiefe Gespräche führen und viel und oft herzhaft lachen.
Die Liebe zum Schreiben hat mich sogar so weit gebracht, dass ich dadurch in diesem Jahr den Scheffelpreis bekommen habe. Ohne das LOS hätte ich diese Liebe nicht entdeckt und deswegen bin ich bis heute dankbar für all die Stunden, die ich damit verbracht habe, mir frustriert ein fünftes Mal anzuhören, warum hier ein „das“ anstelle eines „dass“ stehen muss. Manchmal kommt der Spaß einfach erst nach dem Können und ich bin froh, dass meine LehrerInnen und ich durchgehalten haben und ich so Schreiben nun als wichtigen Teil meines Lebens bezeichnen kann."
Manuela, Wirtschaftsfachwirtin
LOS Hamburg-West
"Wir sind schließlich nicht dumm, wir brauchen manchmal einfach nur länger als andere."
(Manuela, 35 Jahre)
"Vom Tor zu Rügen zum Tor zur Welt oder von Stralsund nach Hamburg und hängen geblieben
2004 – die 10. Klasse ist erreicht, Berufswünsche wollen in die Realität umgesetzt werden
Bereits nach einem Praktikum in der 9. Klasse war mir klar: Ich wollte im Büro arbeiten. Nicht im Handwerk, auch nicht draußen mit zu vielen Menschen, da ich mich eher als introvertiert bezeichnen würde. Also begann ich bereits während meines Abschlussjahres in der 10. Klasse mit dem Schreiben von Bewerbungen. Dies erwies sich als gar nicht so einfach. Ich erhielt so einige Absagen, bis ich dann schließlich zu den ersten Einstellungstests eingeladen wurde. Diese führten meistens nicht zum Erfolg – später erfuhr ich auch, warum.
2005 – ein vielversprechendes Vorstellungsgespräch
Erste Erfolgserlebnisse zeigten sich pünktlich zum Ende des 10. Schuljahres. Ich bekam die eine oder andere Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Während des Gesprächs bei einem größeren Unternehmen in der Nähe von Hamburg sollte ich in wenigen Minuten eine Präsentation darüber vorbereiten, warum ich genau die richtige Person für die Lehrstelle sei. Meine Schrift auf dem Plakat war viel zu klein und kaum zu lesen. Eine Ausbildungsstelle erhielt ich nach dem Gespräch nicht – aber die Chance, mich bei einem einjährigen Praktikum und das sogar in der Nähe meiner Heimatstadt, in Greifswald, zu beweisen. Ich nahm die Herausforderung an.
Praktikum in Greifswald, Förderung in Hamburg und viel Zeit auf der Autobahn
Damit nahm ich auch das Pendeln zwischen meinem Heimatort Stralsund und Greifswald in Kauf. Meine Praktikumsbetreuerin im Unternehmen machte mich auf meine Rechtschreibschwäche aufmerksam. Mit dieser habe ich mich zehn Jahre durch die Schule geschleppt, ohne dass jemand es erkannt hat. Jetzt erfuhr ich zum ersten Mal davon und noch dazu, dass ich etwas dagegen tun kann – und auch muss, denn als Industriekauffrau ist Lesen und Schreiben schließlich unumgänglich. Meine Betreuerin empfahl mir dann das LOS. In meinem direkten Umfeld gab es damals keine Lerngruppe für junge Erwachsene. Wenig später entdeckte ich glücklicherweise, dass es im LOS Hamburg-Eidelstedt eine solche gab. Dies bedeutete für mich einen durchgetakteten Alltag mit langen Fahrzeiten. Aber ich hatte ein Ziel. Ich wollte diese kaufmännische Lehrstelle bekommen, also zeigte ich Einsatz. Ein Jahr lang stand ich morgens um 5 Uhr auf und war erst abends zwischen 22 und 23 Uhr wieder zu Hause. Das war zwischendurch ganz schön anstrengend, aber es hat sich gelohnt: Ich erhielt meinen Ausbildungsplatz.
2006 – zurück in die Schule
Im August 2006 begann ich mit meiner Ausbildung, die mit mehreren 6-8-wöchigen Berufsschulblöcken verbunden war. Ich zog für meine Ausbildung nach Hamburg um, was die Fahrten zum LOS deutlich verkürzte. Dennoch hatte ich neben der Arbeit mit zwei Nachhilfeterminen in der Woche und den Fahrten zu meiner Familie, am Wochenende nach Stralsund, volles Programm. Die Arbeit im Unternehmen machte mir viel Spaß, daher wusste ich, wofür ich meine Freizeit hergab.
2009 – Der Start ins Arbeitsleben…
Wieder zahlte sich die Mühe aus. Im Mai 2009 absolvierte ich erfolgreich meine Prüfungen. Der Ausbildungsbetrieb übernahm mich und ich konnte sogar im gleichen Bereich weiter tätig sein. Was für ein Erfolg! Im LOS bleib ich noch bis März 2010, um meine Rechtschreibfertigkeiten weiter auszubauen. Ich kann allen jungen Menschen mit LRS nur empfehlen, etwas dagegen zu tun und nicht aufzugeben. Außerdem ist es sehr wichtig, dafür zu kämpfen, dass diese Schwäche von allen anerkannt wird. Das macht es uns wesentlich leichter. Wir sind schließlich nicht dumm, wir brauchen manchmal einfach nur länger als andere. Jeder hat doch was das er besonders gut kann und was nicht.
2022 – Stand heute
Mittlerweile bin ich Mitte 30, lebe immer noch in Hamburg und arbeite sogar noch immer selben Unternehmen, in dem ich damals ausgebildet wurde. Zwischenzeitlich habe ich eine Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin absolviert. Immer noch empfehle ich allen: Wenn eine LRS im Raum steht und erkannt wird, dann unbedingt das Richtige dagegen tun und eine Förderung in Anspruch nehmen. Ein Erfolg ist zwar nicht sofort zuerkennen, aber es lohnt sich dranzubleiben. Schließlich tun wir das für uns und was bringt es mehr Zeit für eine Prüfung zu bekommen, wenn man das Wort an der falschen Stelle im Duden sucht. Wenn man einen Traum oder ein Ziel hat, ist Dranbleiben und Durchhalten am wichtigsten. Es ist möglich, sich seinen Traum zu erfüllen.
Übrigens, mir ist insbesondere das 10-Finger-Schreiben, das man im LOS erlernt, bis heute eine gute Hilfe. Es war zwar anstrengend, diesen Fingertanz auf der Tastatur zu lernen, aber durch das Zerlegen der Worte fällt es mir leicht, einen Fehler zu erkennen.
Einige Wörter machen für mich bis heute keinen Sinn und ich schreibe sie konsequent im ersten Anlauf falsch. Beim zweiten Hingucken sieht es dann schon merkwürdig aus und ich lese es noch einmal und dann fällt mir wieder ein, warum mein Nilpferd so aussehen muss. Also keine Scheu, traut euch."
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Eltern erzählen von den Erfolgserlebnissen ihrer Kinder und dem Umgang mit LRS
Charlotte K., Schülerin
LOS Wuppertal
“Die Förderkonzepte basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Sprach- und Lernforschung, was für uns als Eltern ein großes Vertrauen in die Qualität der Arbeit geschaffen hat.”
Eine Mutter berichtet über ihre Tochter
"Das LOS-Institut in Wuppertal unter Leitung von Herrn Troost hat unserer Tochter innerhalb von 2 Jahren geholfen, ihre Schwächen in der Automatisierung im Lesen und Rechtschreiben deutlich zu verbessern. Wir gingen mit der Sorge einer Lese-/Rechtschreibschwäche zu Herrn Troost, der ganz schnell einen Beratungstermin für uns fand. Besonders überzeugt hat uns in den 2 Jahren der Förderung der systematische und wissenschaftlich fundierte Ansatz, der im LOS-Institut verfolgt wird.
Die Förderkonzepte basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Sprach- und Lernforschung, was für uns als Eltern ein großes Vertrauen in die Qualität der Arbeit geschaffen hat. Die individuelle Diagnostik zu Beginn ermöglichte eine maßgeschneiderte Förderung, die perfekt auf die Bedürfnisse unseres Kindes abgestimmt war. Die Lerninhalte werden schrittweise und methodisch so vermittelt, dass sich nachhaltige Lernerfolge einstellen – und das auf eine Art und Weise, die den Kindern Freude am Lernen vermittelt. Das engagierte Team geht nicht nur mit viel Fachwissen, sondern auch mit Empathie auf die Kinder ein. Sie verstehen es, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und Ängste abzubauen. Unsere Tochter ging jedes Mal mit Freude zur Förderung.
Nicht nur durch die schulischen Lernzielkontrollen, sondern auch durch die kontinuierlichen Erfolgskontrollen im LOS sowie in regelmäßigen Gesprächen mit Herrn Troost konnten wir stets nachvollziehen, wie sich unser Kind verbessert hat. Das LOS-Institut zeigte uns sehr deutlich, dass eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Förderung der Schlüssel zu langfristigem Erfolg bei LRS ist. Wir sind äußerst dankbar für die Unterstützung durch das LOS-Institut und können dieses daher mit bestem Gewissen weiterempfehlen."
Lucas, ehemaliger Schüler
LOS Marburg
“Das – auch zeitliche – Invest lohnt sich auf jeden Fall, da sehr nachhaltig!“
Vater Joachim über seinen Sohn Lucas
"Da unser Sohn Lucas in der Mittelstufe noch Probleme mit der Rechtschreibung hatte, haben wir mit ihm einen Testtag bei Fr. Dr. Schriever im LOS Marburg besucht. Nach der detaillierten und sehr sorgfältigen Besprechung des Ergebnisses haben wir uns schnell für die Rundumbetreuung, also zweimal pro Woche Unterricht im LOS, entschieden. Dabei hat uns Lucas‘ Opa logistisch unterstützt – Fahrdienst mit Cafebesuch an jedem zweiten Freitag. Das – auch zeitliche – Invest lohnt sich auf jeden Fall, da sehr nachhaltig! Zudem kennen wir auch weitere sehr zufriedene Eltern und haben das nachweislich gut funktionierende Konzept auch über Lucas´ damalige Klassenlehrerin gerne seiner Schule in Kirchhain (AWS) vorgeschlagen – eben auch zur Sensibilisierung, was LRS bzw. Legasthenie bedeutet.
Lucas hatte von Anfang an Interesse und Spaß am Unterricht. Woche für Woche hat er in Kleingruppen mit guten, speziell geschulten Lehrern gearbeitet. Ganz nebenbei hat er so das schnelle Schreiben auf der Tastatur gelernt. Die Dosierung der Inhalte nebst spaßigen Tests des gut dosiert Erlernten, ließen die knapp drei Jahre (bis zur 10. Klasse) im LOS wie im Flug vergehen. Zeitinvest, Wille und Konzentration – ohne zusätzliche Hausaufgaben – brachten schnell bessere und bis zum Schluss gute Ergebnisse im Schulalltag.
Seine PUNKTE (Belohnungssystem im LOS) sparte er sich bis ganz zum Schluss auf und tauschte sie gegen zahlreiche kleine Kakteen ein, die er mit einem Lächeln heute noch im Wintergarten gießt – sieben Jahre nach seinem ersten Besuch im LOS. Bald beendet Lucas, nach einem guten Abitur in 2015, sein Lehramtsstudium für die Grundschule an der Universität in Kassel. Dann kann er sein geballtes Wissen aus zwei Welten an seine Schüler weitergeben und ihnen bei Problemen im Lesen und Schreiben mit seinem LOS-Wissen sicherlich optimal helfen, diese zu beheben."
Justus, Schüler
LOS Wiesbaden
“Als das erste Diktat in der Grundschule mit 16 Fehlern zurück kam, war der Kommentar der Lehrerin an meinen Sohn Justus: Das machst du mit Absicht!“
Eine Mutter berichtet von ihrem Sohn Justus
"Als das erste Diktat in der Grundschule mit 16 Fehlern zurück kam, war der Kommentar der Lehrerin an meinen Sohn Justus: “Das machst du mit Absicht!“. Es kamen noch andere Schwierigkeiten dazu, was uns veranlasste, die Schule zu wechseln. Eine aufmerksame, erfahrene Lehrerin erkannte bereits nach kurzer Zeit, dass wir unseren Sohn mal auf Legasthenie testen lassen sollten. Mit so einer Aussage ist man als Mutter erst mal überfordert und muss sich informieren. Mein Kind sollte so etwas haben?
Eine liebe Kollegin bekannte sich, nach meiner Kundgabe der wahrscheinlichen Diagnose Legasthenie, dass sie selbst in den ersten Kursen des LOS in Saarbrücken war und all das, was sie heute ist (Lehrerin für Pflegeberufe) dem LOS zu verdanken hat. Schnelle Kontaktaufnahme und schnelles Auffangen im LOS Wiesbaden verschaffte Justus die Möglichkeit an seinem Defizit zu arbeiten. Wir entschieden uns für den Samstags-Kurs, wo er alle Förderstunden der Woche hintereinander absolvieren kann. Justus war traurig, dass er am Samstag nun auch noch zur Schule sollte. Kommentare, wie „..ich habe nun gar kein richtiges Wochenende mehr!“ musste ich mir anhören und er verstand nicht, warum er da nun auch noch hingehen musste. Ich erklärte es ihm so, dass ich nun nach der bestätigten Diagnose vom LOS nicht so tun könnte, als wenn ich es nicht wüsste. In zehn Jahren würde mich Justus dann wahrscheinlich fragen, warum ich nichts gemacht hätte. Wir machen es jetzt immer so, dass er samstags ins LOS geht und wir anschließend alle zusammen was Tolles machen. Da freut er sich darauf!
Die letzte Testung vor zwei Wochen und es macht uns alle nach drei Jahren besonders stolz, weil Justus seine größte Verbesserung erreicht hat, die er jemals hatte. Dieses erreichte Niveau gilt es nun weiter zu stabilisieren."
Tamim, Pharmazeut
LOS Halle
“Ich war begeistert von den vielfältigen Unterrichtsmethoden, auch am PC zu einer Zeit, als dies noch nicht selbstverständlich an den Schulen war.“
Eine Mutter berichtet von ihrem Sohn: Vom Naturwissenschaftler zum Autor
"Bei meinem Sohn zeigte sich schon früh das Interesse für Naturwissenschaften. Leider ging dies auf Kosten der sprachlichen Interessen. Lexika und Wissensbücher waren gefragt, am liebsten aber vorgelesen, Geschichten eher nicht. Lesen – keine Lust, Schreiben auch nicht – auch ein kleines Urlaubstagebuch kostete höchste Überredungskünste. Den Sprung aufs Cantor-Gymnasium hat er gut geschafft, aber hier waren natürlich auch die sprachlichen Anforderungen zu bewältigen. Alle meine eigenen Bemühungen trugen keine Früchte, wir konnten ihn nicht begeistern. Ich entdeckte das LOS, wir gingen zu einem ersten Gespräch mit Test. Ich war begeistert von den vielfältigen Unterrichtsmethoden, auch am PC zu einer Zeit, als dies noch nicht selbstverständlich an den Schulen war. Mein Sohn war einverstanden es zu probieren. Gesagt, getan und durchgehalten, zweimal pro Woche, zunächst nur Deutsch, dann einmal Deutsch und einmal Englisch über einen Zeitraum von drei Jahren. Wann sich bei ihm „der Schalter umgelegt“ hat, weiß ich nicht genau, aber in der Oberstufe, als die Zeit für das LOS wegen Prüfungsvorbereitungen nicht mehr ausreichte und ich etwas zweifelnd einverstanden war, den Vertrag zu beenden, schaute er seine Lieblingsserien und YouTube-Beiträge auf Englisch. Sein Ziel war ein Pharmazie-Studium und da wusste er, dass er da nicht durchkommt, ohne englische Texte zu lesen. Sein Abitur-Geschenk war ein zweimonatiger Sprachkurs Englisch auf Malta. Die Grundlagen waren gelegt. Den ersten Baustein hierfür hat er aus dem LOS „mitgebracht“.
Durch die verschiedenen Herangehensweisen an Sprache im Unterricht und die verständnisvolle Vermittlung durch die Lehrer am LOS hat sich mein Sohn den Sprachen geöffnet – Englisch funktionierte nun sogar sehr gut.
Dass Englisch aber nicht Deutsch ersetzt, erschloss sich ihm spätestens, als er während des Studiums trainierte, Bewerbungen zu schreiben. In dieser Zeit hörte ich manches Mal von ihm: Wie war die Empfehlung dazu vom LOS? Man hatte fast den Eindruck, es mache ihm nun Spaß, zu schreiben. Dass dieser Eindruck nicht falsch war zeigt, dass er nach seinem Studium einen „Studienführer der etwas anderen Art für Pharmazie-Student:innen“ geschrieben hat.
Ohne den Anschub durch das LOS wäre die sprachliche Entwicklung nicht so gut verlaufen, da sind wir sicher - mein Sohn mindestens so wie ich."
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Institutsleiter und Pädagogen sprechen über Erfahrungen aus 40 Jahren LOS-Förderung
Michelle, Pädagogin
LOS Köln-Nord
“Ich kann im LOS hautnah miterleben, wie sich schulische Leistungen verbessern und die Freude beim Lesen und Schreiben größer wird.”
Michelle Kruse (Pädagogin im LOS Köln-Nord) berichtet über ihre Lehrtätigkeit im LOS
"Seit über einem Jahr arbeite ich im LOS Köln-Nord und ich durfte nicht nur mein Wissen im Bereich der Lese- und Rechtschreibförderung erweitern, sondern auch wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. In meinem Lehramtsstudium habe ich gelernt, wie wichtig individuelle Förderung für schulischen Erfolg ist. Die Möglichkeiten der gezielten Förderung im LOS schätze ich besonders, denn sie setzt an den im Rechtschreibtest festgestellten momentanen Fehlerschwerpunkten an. Außerdem ist die Gruppenförderung im LOS etwas Besonderes, weil die Kinder durch die meist homogeneren Gruppen lernen, dass sie mit ihren Erfahrungen in der Schule nicht allein sind und im LOS stets positive Erfahrungen sammeln. Neben Lese und (Recht)schreiben lernen die Kinder auch weitere Fertigkeiten, wie Sozialkompetenz, Selbstbewusstsein, Motivation und Lernfreude.
Die Arbeit mit den Schülern und Schülerinnen macht mir insbesondere viel Spaß, weil ich die Auswirkungen der Fortschritte miterleben darf. Es ist motivierend zu sehen, wie das Selbstbewusstsein mit jedem Erfolgserlebnis wächst. Der enge persönliche Kontakt und die intensive Betreuung ermöglichen es mir, gezielt auf die Stärken und Schwächen der Lernenden einzugehen, was im regulären Schulunterricht oft nur schwer realisierbar ist. Die Kinder und Jugendlichen kommen sehr gerne ins LOS, da sie in der Kooperation von- und miteinander lernen können.
Für mich ist die Arbeit im LOS eine perfekte Ergänzung zu meinem derzeitigen Masterstudium. Ich gewinne wertvolle Einblicke in die Praxis und kann meine theoretischen Kenntnisse direkt im Unterricht umsetzen. Darüber hinaus habe ich durch das LOS Fortbildungen, Schulungen und Webinare besucht, die meine Fachkompetenzen neben dem Studium erweitern. Das Vertrauen, das die Kinder mir entgegenbringen, und die Freude, wenn sie ihre Ziele erreichen, machen die Arbeit für mich besonders erfüllend. Ich kann im LOS hautnah miterleben, wie sich schulische Leistungen verbessern und die Freude beim Lesen und Schreiben größer wird."
Renate, LOS-Pädagogin
LOS Hamburg-West
"Die Chancen von Menschen mit LRS zu erhöhen, ihre Ziele zu erreichen und ihre Träume zu verwirklichen, das ist mein Antrieb und meine Motivation!"
Renate (Pädagogin im LOS Hamburg-West)
Renate Wonisch-Geißler, Sozialwirtin und Sozialpädagogin, ist LOS-Pädagogin im LOS Hamburg-West:
"Wie ich ins LOS gekommen bin und warum ich schon 20 Jahre als Pädagogin dort arbeite: Schon vor 2000 leitete ich einen Kreativkurs mit Frauen ausländischer Herkunft über den Verein Migration, Pinneberg. Der Schwerpunkt lag auf der Förderung der deutschen Sprachkompetenz der Teilnehmerinnen sowie der Verbesserung sozialer Kontakte und Integration. Auch in einer Grundschule arbeitete ich in der Ausländerförderung mit dem Schwerpunkt, die Lese-, Sprach- und Schreibfähigkeiten der Kinder zu verbessern. Beide Aufgaben machten mir viel Freude und bereicherten meinen Erfahrungsschatz.
Als sich dann vor 20 Jahren die Gelegenheit bot, im LOS in Elmshorn mitzuarbeiten, habe ich diese gerne ergriffen. In Bereichen, in denen ich bei den Kindern in der Schule an Grenzen stieß, und auch seitens der Schule keine spezielle Hilfe angeboten werden konnte, bot das LOS genau die individuelle Förderung durch die pädagogische Therapie, die mein Herz höherschlagen ließ.
Schüler*innen mit Lese- und Rechtschreibschwäche (früher: Legasthenie), deren Selbstbewusstsein durch viele schlechte Schulnoten beschädigt war und denen mit klassischer Nachhilfe nicht wesentlich geholfen werden konnte, bekamen im LOS die wissenschaftlich-fundierte Hilfe, ihre Probleme beim Lesen und Schreiben selbst zu beheben. Die Schüler werden nicht wie in der Schule nach Klassenstufen, sondern nach Leistung in Gruppen eingeteilt.
Dafür durchlaufen sie am Anfang einen Test, durch den die Schwächen der Schüler deutlich werden. Somit kann ein individueller Lehrplan erstellt werden, der ständig an die Leistungssteigerungen der Schüler*innen angepasst wird. Für den Lernerfolg verwendet LOS eigens angefertigte Materialien, die wissenschaftlich überprüft werden. Ein sehr entscheidender Punkt zur Bewältigung, der zuvor als unbehebbar angesehenen Probleme, ist der neue Aufbau von Motivation der teilweise resignierten Schüler*innen. Dort setzt die LOS-Pädagogik an. Zielgerichtet an den Ursachen beginnend, führen kleine Erfolge schließlich zu dem angestrebten Ziel.
Das Arbeiten erfolgt in kleinen Gruppen. Hier profitieren die Schüler*innen voneinander. Sie haben in der Gemeinschaft die Möglichkeit, sich über ihre Erfolge zu motivieren. Ebenfalls finden sie in ihrer LOS-Gruppe bei Misserfolgen, z.B. sich in der Deutsch-Klassenarbeit in der Schule eine Fünf eingehandelt zu haben, Verständnis und Trost. Die Schüler können sich über schulische Erfahrungen austauschen und mit der Zeit wächst das Vertrauen in der Gruppe deutlich. Dies ist ein wichtiger Part, da es sich beim Training gegen eine Lese-Rechtschreibschwäche um ein langfristiges Projekt handelt, das nicht innerhalb eines halben Jahres beendet werden kann. Ich beobachte immer wieder mit Freude, wie ein anfangs stiller, schüchterner Schüler bzw. Schülerin nach drei Monaten LOS-Unterricht plötzlich aufblüht, lebendig und gelöst am Unterrichtsgeschehen teilnimmt und alle damit bereichert. Das sind für mich tolle, wertvolle und freudige Erfahrungen. Ein wichtiger Grund für mich, dass ich gerne im LOS bin und mit den Kindern arbeite.
Es lohnt sich wirklich! Jedes Kind denkt/lernt anders und braucht ganz spezielle Förderung/Unterstützung, um das individuelle Potenzial jedes Kindes möglichst gut auszuschöpfen. Meine Aufgabe sehe ich darin, den Kindern dabei zu helfen, jene eigenständigen, kreativen und lernbereiten Individuen zu werden, die sie sein wollen. Ich habe in den 20 Jahren LOS-Tätigkeit gelernt, jedes Kind von Herzen so anzunehmen wie es ist sowie seine Individualität und Persönlichkeit zu respektieren. Grundlage allen Lernens und Unterrichtens ist die vertrauensvolle Beziehung zwischen Kindern und der lehrenden Person, die ich in diesem Fall bin. Das ist die Voraussetzung für ein gutes Lernklima.
Da die Welt sich mittlerweile so rasant verändert, dass niemand weiß, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen die heutigen Kinder in 20 Jahren brauchen werden, gilt es, sie in ihrer Lernfreude und ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. Die Zukunft ist nur schwer voraussehbar, und so fehlt uns weitgehend die Vorstellungskraft, wie die zukünftige Schule aussehen muss. Einen sicheren Orientierungspunkt jedoch gibt es: Die Kinder als lernende Wesen sehen und sich darauf ausrichten. Das versuche ich nach bestem Wissen zu tun.
Nach meinen Erfahrungen brachte/bringt das laufende Training im LOS im Allgemeinen rasche und gut messbare Erfolge. Nach fünf, sechs Monaten sind in den meisten Fällen schon echte Fortschritte sichtbar. Das motiviert die Kinder sehr stark, wenn sie anfangs in einem Text 30 Fehler hatten und nach einiger Zeit schon weniger als die Hälfte der früheren Fehler gemacht haben. Aus meinen Beobachtungen kann ich erkennen, dass nach einer Eingewöhnungsphase die Kinder sich mit der Zeit im LOS viel positiver und selbstbewusster verhalten. Sie erfahren, dass sie immer besser lesen und schreiben können und die Gemeinschaft mit den anderen Kindern in der Gruppe ihnen gut tut.
Bei manchen Kindern geht es langsamer voran, bis sich sichtliche Erfolge bemerkbar machen, da ist viel Geduld und gutes Zureden meinerseits erforderlich. Wie oft habe ich erlebt, dass Kinder mit ausgeprägter LRS am Anfang wenig Fortschritte machten (zum Leidwesen der Eltern), mit einem Mal aber der Durchbruch kam und die Lernerfolge steil nach oben schossen. Das sind keine Einzelbeispiele. Es gibt keine hoffnungslosen Fälle. So etwas habe ich nie erlebt.
Das Lernen mit digitalen Medien, den Online-Lernprogrammen im LOS ist ein fester Bestandteil unserer erfolgreichen LOS-Förderung. Die Lernsoftware orientiert sich an der LOS-Methode und ist sehr bedienerfreundlich. Die meisten Schüler*innen arbeiten gerne und motiviert am PC in den Lernprogrammen: Tastentrainer, Wort-, Schreib-, und Textkiste und die Kinder freuen sich über ihre Erfolge, die sie selber im Leistungsbericht abrufen können.
Das Erlernen des 10-Finger-Schreibens ist nachweislich eine wichtige Grundlage für die Verbesserung der Rechtschreibleistung und noch dazu überaus nützlich für den Einsatz im Alltag, ob in der Schule oder im Beruf. Die meisten Kinder lieben das Tastaturschreiben, weil sie schnell, erkennen, dass es sich lohnt, darin fit zu werden. Auf einer Tastatur werden sie ihr Leben lang schreiben. Das Prinzip des Zehnfingerschreibens ist einfach. Es gibt die sogenannte Grundposition. Die Finger der linken Hand belegen dabei die Tasten A, S, D und F – angefangen mit dem kleinen Finger auf dem A. Die Finger der rechten Hand liegen ab dem Zeigefinger auf J, K, L und Ö. Von dort aus geht es nach unten oder oben zu dem nächstgelegenen Buchstaben. Die Daumen schweben über der Leertaste. Wer das einmal begriffen hat und das kontinuierlich übt, der weiß, beim Schreiben längerer Texte: „Die gehen dann mit zehn Fingern deutlich flinker von der Hand.“ Ich hatte einige Schüler, die im LOS das Zehnfingersystem systematisch gelernt haben und meist mächtig stolz darauf waren. Zurecht! Beim Zehnfingersystem hingegen gucken sie nicht mehr auf die Tastatur. Sie wissen, welche Wege die Finger zu gehen haben.
Abschließend ein paar Bemerkungen. Lesen und Schreiben ist der Schlüssel zur Welt. Wer diese Techniken nicht beherrscht, wird von bestimmten Erlebnissen von vornherein ausgeschlossen. Die Chancen von Menschen mit LRS zu erhöhen, ihre Ziele zu erreichen und ihre Träume zu verwirklichen, das ist mein Antrieb und meine Motivation! Die Erfolge der Kinder und die Dankbarkeit der Familie sind für mich mehr als eine reiche Belohnung für unsere/meine Arbeit."
David, Schüler
LOS Frankfurt-Bornheim
“Soviel Talent, Mut, Kampfgeist und Fleiß beeindrucken uns!“
Prof. Dr. C. Kilian-Hatz (LOS Frankfurt-Bornheim und LOS Dietzenbach) berichtet über ihren Schüler David
"David Tanzer ist mit seinen neun Jahren schon ein alter Hase im Filmgeschäft. Er ist Kinderschauspieler und hat schon bei Fernsehspots und Fernsehfilmen mitgewirkt. In seiner letzten Rolle spielte er am 6. April 2012 in der ZDF-Reihe „Terra X“ den berühmten Preußenkönig Friedrich den Großen als Kind – neben Cecil von Renner als Kronprinz und Ulrich Wiggers als „Alter Fritz“ (Terra X: „Friedrich der Große – Alles oder Nichts“).
David weiß schon sehr genau, dass er später einmal Profischauspieler werden will. Seine große schauspielerische Begabung ist die erste Voraussetzung dafür. Aber auch gut lesen können, ist hier natürlich zentral wichtig – schon bei den anspruchsvollen Castings muss er das beweisen, um unter Hunderten die Rolle zu bekommen. Und schließlich muss er dann als Darsteller die Texte alle schnell auswendig lernen und mit richtiger Betonung und Mimik vortragen können.
David arbeitet an seiner Traumkarriere schon jetzt mit viel Ehrgeiz und Einsatz. Doch mit dem Lesen ist es manchmal nicht ganz so einfach. Deshalb tut er auch dafür bereits eine ganze Menge und geht seit einem halben Jahr regelmäßig zu uns ins LOS Frankfurt-Bornheim. Hier arbeitet er an der Verbesserung seiner Lese-Rechtschreibkompetenz. Der erste Vergleichstest mit schreib.on® zeigte bereits seine schönen Trainingserfolge.
David kann jedenfalls heute schon enorm stolz auf sich sein. Soviel Talent, Mut, Kampfgeist und Fleiß beeindrucken uns! David will fit sein für die interessanten Rollen – was sollte ihn denn dann noch daran hindern?!"
Fenja, Pädagogin
LOS Erfurt
“Besonders schön war es, gemeinsames Lernen in der Gruppe zu begleiten und zu erleben, wie die Kinder voneinander profitieren.”
Fenja Eggers (Pädagogin im LOS Erfurt)
"Während meines Studiums der Psychologie und Erziehungswissenschaft absolvierte ich ein achtwöchiges Praktikum im LOS Erfurt. In dieser Zeit konnte ich das Institut und seine Arbeitsweise kennenlernen, vielfältige Aufgaben übernehmen und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Besonders viel Freude bereitete mir die Zusammenarbeit mit den Kindern sowie das offene und unterstützende Team.
Nach meiner Praktikumszeit übernahm ich feste Gruppen, wodurch ich die Möglichkeit hatte, langfristig mit den Kindern zu arbeiten. Dabei konnte ich individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihre Lernprozesse gezielt fördern und ihnen mit Spaß und Freude neue Inhalte vermitteln. Besonders schön war es, gemeinsames Lernen in der Gruppe zu begleiten und zu erleben, wie die Kinder voneinander profitieren.
Leider musste ich meine Tätigkeit im LOS Erfurt aufgeben, als ich für mein Masterstudium in eine andere Stadt zog. Der Abschied fiel mir nicht leicht, da ich in der Zeit dort viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und eine enge Bindung zu den Gruppen aufgebaut hatte."
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