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Nachhilfe online

Verschiedene Varianten von Online-Nachhilfe

Kinder und Jugendliche mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten haben in der Schule meist nicht nur Schwierigkeiten in Deutsch, sondern in mehreren Fächern, und benötigen möglichst schnell Unterstützung. Auf der Suche nach passenden Angeboten stoßen Eltern heutzutage auch auf Anbieter sogenannter Online-Nachhilfe. Diese kann in ganz unterschiedlicher Form erfolgen. Häufig erhält das betroffene Kind ein Lernprogramm, mit dem es schulische Lerninhalte zu Hause wiederholen und üben kann.

Inzwischen wird aber auch die "richtige" Nachhilfe online angeboten. Ein Nachhilfelehrer ist dann, meist in Form eines Video-Chats, über das Internet mit dem Schüler verbunden. Das Konzept entspricht dabei dem der klassischen Nachhilfe. Der wesentlichste Unterschied ist, dass das Kind für den Online-Unterricht das Haus nicht verlassen muss und dem Nachhilfelehrer die Fahrt zum Kind erspart bleibt. Auch einen Hausaufgaben-Chat bieten einige Nachhilfelehrer an. Für Eltern bedeutet all das meist einen geringeren finanziellen und organisatorischen Aufwand. Ist Online-Nachhilfe also empfehlenswert?

Die Schwierigkeiten der Online-Nachhilfe

Dass Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten auch durch professionelle Nachhilfe nicht dauerhaft gebessert werden können, ist bekannt. Nur eine Förderung, die nicht vollzogene Lernschritte systematisch nachholt, ist in der Lage, die Probleme betroffener Schüler nachhaltig zu beseitigen und ihnen eine positive Perspektive zu eröffnen. Einem Nachhilfelehrer fehlen dazu in der Regel die Möglichkeiten. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Online-Nachhilfe, weil sie nach dem gleichen Prinzip wie die klassische Nachhilfe funktioniert oder sogar nur punktuell Hilfestellung bei den Hausaufgaben leistet. So werden Probleme durch das Heranziehen eines Online-Nachhilfelehrers möglicherweise kurzfristig kaschiert, aber keinesfalls behoben. 

Lehrvideos bei LRS nicht geeignet

Noch schlechter geeignet als die Online-Nachhilfe durch einen Lehrer sind kostenlose Lernvideos im Internet. Sie können dabei helfen, ein einzelnes Thema in einem bestimmten Fach, beispielsweise in Mathe oder Physik, besser zu verstehen. Problematisch ist, dass hier keine persönliche und individuelle Ansprache des Schülers erfolgt. Er muss sich die Videos komplett anschauen und darauf hoffen, dass darin irgendwo genau die Dinge angemessen erklärt werden, die ihm in der Schule Schwierigkeiten bereitet haben. Besonders bei Themen, die intensives Üben erfordern, sind Lernvideos für schwache Schüler nicht hilfreich. Für die Beseitigung grundlegender Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten sind sie hingegen vollkommen ungeeignet.

Lernsoftware als Alternative?

Was ist von Lernprogrammen zu halten? Auch sie haben die große Schwäche, dass sie nicht auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes eingehen, sondern für die große Masse konzipiert sind. Einzelne Inhalte können dabei für Schülerinnen und Schüler ohne besondere Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben durchaus hilfreich sein. Für LRS-Kinder sind die Voraussetzung für eine wirksame Therapie jedoch nicht nur eine umfassende Diagnose, sondern auch die passgenaue Abstimmung aller Maßnahmen auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen sowie regelmäßige Verlaufstests.

Die stetige Rückmeldung durch einen qualifizierten Pädagogen hilft dem Kind, seinen Leistungsstand einzuschätzen. Dem müssen auch Online-Programme gerecht werden. Außerdem muss die Therapie immer wieder an die aktuellen Leistungen des Kindes angepasst werden. Verbreitete Lernprogramme fördern in der Regel ins Blaue hinein. Sie können deshalb nicht zum Erfolg führen. Eltern sollten sich stattdessen für eine professionelle Förderung entscheiden.

Förderung vor Ort ist die beste Wahl

Eine Förderung, die in Form von individuellem Präsenzunterricht erfolgt, ist dem Lernen von zu Hause aus immer vorzuziehen. Besonders wenn der Unterricht wie in den LOS in Kleingruppen stattfindet, erlernen die Schüler hier Kompetenzen, die ihnen ein Lernprogramm allein nicht vermitteln kann. Die Online-Programme, die im LOS-Unterricht eingesetzt werden, sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ausgerichtet. Auf der Grundlage des zuvor ermittelten Leistungsstands trainieren die Kinder im LOS auch am Computer genau in den Bereichen, in denen bestimmte Lernschritte noch nicht vollzogen sind.

In einem vertrauten, geschützten Rahmen, einer Art "Simulation" von Schule, verbessern sie nicht nur ihre Fähigkeiten im Lesen und Schreiben, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen. Sie lernen einen respektvollen Umgang miteinander und merken, dass es keine Schande ist, Fehler zu machen. LOS-Kinder erleben, dass es anderen Kindern ähnlich geht wie ihnen. Dadurch wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Der klar strukturierte Unterricht hilft den Kindern und Jugendlichen, sich besser zu konzentrieren und Strategien zu entwickeln, die ihnen das auch in der Schule ermöglichen. Davon profitieren die jungen Menschen und sie gewinnen Vorteile für unterschiedlichste Fächer, nicht nur für den Unterricht in Deutsch. Diese Dinge kann ein Lehrer im Einzelunterricht nicht vermitteln, ein Lernprogramm oder die Online-Nachhilfe erst recht nicht.

Die Chancen des Online-Learnings

Der Einsatz neuer Medien beim Lernen ist dennoch nicht grundsätzlich schlecht. Ganz im Gegenteil bietet das sogenannte "E-Learning" viele Vorteile, besonders wenn es mit Unterricht vor Ort kombiniert wird. Es kann Teil des Präsenzunterrichts sein, aber auch das Stabilisieren des neu Gelernten durch Üben zu Hause fördern. Online-Trainingsprogramme können auf diese Weise Therapieabbrüche verhindern und Zeiten kompensieren, in denen es einem Schüler nicht möglich ist, zweimal wöchentlich das Förderinstitut zu besuchen. Auch in den Ferien, in denen kein Förderunterricht stattfindet, sind Online-Programme eine große Stütze, da sie gegen das Vergessen in den Ferien wirken.

Das Lernen macht Kindern und Jugendlichen mehr Spaß, wenn es auch mit modernen Medien erfolgt, die heute zu ihrem Alltag gehören. Damit die Vorzüge von Lernprogrammen nicht ungenutzt bleiben, integrieren die LOS sie bereits seit vielen Jahren in den Unterricht der Förderinstitute und bieten zudem die Möglichkeit an, auch zu Hause gezielt mit den LOS-Online-Programmen zu arbeiten.

Auf die Konzeption der Lernprogramme kommt es an

Wichtig ist, dass Lernprogramme in ein wissenschaftlich fundiertes Förderkonzept integriert sind und sich am individuellen Förderbedarf des Kindes orientieren. In den LOS werden die eigens entwickelten und auf die LOS-Methode abgestimmten Lernprogramme vor allem zum Einschleifen und Automatisieren des Wortschatzes eingesetzt. Im Bereich der Automatisierung und Aufmerksamkeitsfokussierung können durch die LOS-Online-Programme oft sogar größere Erfolge erzielt werden als durch andere Lehrmaterialien.

Weil die Lernprogramme passgenau auf die LOS-Methode abgestimmt sind, wird im Bezug auf die LOS nicht von "Online-Nachhilfe", sondern von "Online-Förderung" gesprochen. In den LOS arbeiten nur diejenigen Schüler zu Hause mit Online-Programmen, die bereits in einem LOS vor Ort sind oder waren und die Programme dort kennengelernt haben.

Wie sieht gute Lernsoftware aus?

Gute Lernprogramme kommunizieren intensiv mit dem Lerner, sind bedienerfreundlich und störungsfrei. Sie enthalten keinen "Schnickschnack", der die Lernzeit verkürzt und den Bediener ablenkt. Dennoch müssen sie freundlich und farblich ansprechend gestaltet sein. Weil gute Lernprogramme sich an einem Förderplan orientieren, muss für den Lehrer jederzeit die Möglichkeit gegeben sein, die Arbeit des Schülers mit den Programmen zu kontrollieren.